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22.11.2017 15:08:03
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Kolumne

Marktstimmung: "Eine Erholung ist nicht genug"



Hoher Optimismus und steigende Preise trotz Unsicherheiten - das verbessert die Lage deutscher Bluechips nicht.
Zusammenfassung

22. November 2017. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Politische Börsen hätten kurze Beine, lautet eine bekannte Börsen-Binsenweisheit. Und dieser Spruch hat sich zum Wochenanfang wieder einmal bewahrheitet, als die Sondierungsgespräche für eine Jamaica-Koalition geplatzt waren. Seither nehmen die Diskussionen um die politische Situation in Deutschland kein Ende. Denn die Optionen, wie es hierzulande in Sachen Regierungsbildung weitergehen soll, sind zwar übersichtlich, aber durchaus mit Unsicherheit und Risiken verbunden.

Doch scheint das die Börsianer nur mäßig zu interessieren. Ob es nun eine Wiederauflage der Großen Koalition, eine Minderheitsregierung oder gar Neuwahlen gibt - die wirtschaftliche Situation sei in Deutschland robust genug, um die kommenden Tage und Wochen der Ungewissheit ohne Schaden zu überstehen, heißt es unisono. Eine Sichtweise, die man außerhalb Kontinentaleuropas nicht unbedingt teilt. So machen sich etwa US-amerikanische und britische Kommentatoren Sorgen um die Stabilität der Eurozone, falls und wie es in Deutschland ohne Angela Merkel weitergehen soll, ganz zu schweigen von Katalonien und den so genannten "Scheidungsverhandlungen" zum Brexit, bei denen, so war zu lesen, die britische Premierministerin Theresa May nun relativ gestärkt und sogar selbstbewusster auftreten könne.

All diese Bedenken scheinen die mittelfristig orientierten institutionellen Investoren, die wir allwöchentlich befragen, nicht zu teilen. Zwar ist der Optimismus dieses Panels im Vergleich zur Vorwoche, gemessen am Börse Frankfurt Sentiment-Index, um 6 Punkte auf einen Stand von +29 Punkte gefallen, aber wahrscheinlich nicht wegen politischer Bedenken. Vielmehr dürften Gewinnmitnahmen - der DAX ist im Wochenvergleich immerhin um 1,5 Prozent gestiegen - dafür gesorgt haben, dass sich ein kleiner Teil der Optimisten, nämlich 3 Prozent aller Befragten, direkt auf die andere Seite zu den Bären geschlagen hat.

Privatanleger überzeugter denn je

Den Privatanlegern ist die bisherige DAX-Erholung offensichtlich nicht genug. In diesem Panel sind nämlich so gut wie keine Gewinnmitnahmen zu beobachten. Stattdessen hat man offensichtlich die zwischenzeitlich schwächeren DAX-Stände unter 13.000 Zählern für weitere bullishe Engagements genutzt und bearishe Absicherungen sogar aufgelöst. Dies zeigt sich an einem um 10 Punkte auf nunmehr einen Stand von +40 Punkte gestiegenen Börse Frankfurt Sentiment-Index. Immerhin handelt es sich dabei um den höchsten Stand seit gut einem Jahr.

Die heutige Erhebung zeigt, zum einen absolut, aber auch relativ im Sechsmonats- und Einjahresvergleich einen recht hohen Optimismus. Zum anderen vermitteln die vergleichsweise geringfügigen Gewinnmitnahmen aus diesen Positionen - man hätte durchaus mehr erwarten können -, dass die Einstandspreise dieser Engagements noch nicht erreicht sind. Denn gerade nach dem Rücksetzer des Börsenbarometers am vergangenen Mittwoch auf rund 12.850 Zähler wäre der eine oder andere bullishe Akteur durchaus froh gewesen, diese unliebsame Episode schnellstmöglich zu vergessen und sich dieser mittlerweile schal gewordenen Engagements sobald wie möglich, aber dennoch ohne Verluste, zu entledigen.

Damit wird deutlich, dass weitere Kurssteigerungen beim DAX zwar möglich, aber durch drohende Abgaben aus vorgenannten bullishen Engagements (vermutlich spätestens bei ca. 13.300 Zählern) behindert werden. Um die Optimisten jedoch tatsächlich zum Aufgeben zu bewegen, müsste an der Unterseite erheblich mehr passieren, als wir bislang an Kursrückgängen gesehen haben. Letztlich mag dies dem DAX ein wenig helfen, aber die belastenden Faktoren sind am Ende durch den immer noch hohen Optimismus nicht viel weniger geworden, so dass für den DAX keine Entwarnung gegeben werden kann.

Ihre Meinung zählt: Markterwartungen von Investoren

Die Stimmen der professionellen Teilnehmer wurden bislang von privaten Anlegern ergänzt, die unter den aktivsten Tradern verschiedener Online-Broker rekrutiert wurden. Diesen Teil des Sentiment-Index stellt die Börse Frankfurt nun auf breitere Füße.

Alle interessierten Anleger sind aufgerufen mitzumachen. Es dauert nur 15 Sekunden. Sie bekommen jeden Dienstag eine E-Mail mit einem Umfrage-Link. Ein Klick und fertig. Dafür erhalten Sie die Ergebnisse der Analyse sofort per E-Mail zugesandt.

Möchten Sie teilnehmen? Dann schreiben Sie einfach eine E-Mail an sentiment@deutsche-boerse.com.



Institutionelle Anleger

BullishBearishNeutral
Total54%25%21%
ggü. letzter Erhebung-3%+3%unv.

DAX (Veränderung zu vergangener Woche): 13.150 (+200 Punkte)
Börse Frankfurt Sentiment-Index Institutionelle Anleger: +29 Punkte (Stand Vorwoche: +35 Punkte)



Private Anleger

BullishBearishNeutral
Total61%21%18%
ggü. letzter Erhebung+5%-5%unv.

DAX (Veränderung zu vergangener Woche): 13.150 (+200 Punkte)
Börse Frankfurt Sentiment-Index Private Anleger: +40 Punkte (Stand Vorwoche: +30 Punkte)

22. November 2017, © Goldberg & Goldberg für boerse-frankfurt.de



Über den Börse Frankfurt Sentiment-Index

Der Börse Frankfurt Sentiment-Index bewegt sich zwischen -100 (totaler Pessimismus) und +100 (totaler Optimismus), der Übergang von positiven in negative Werte markiert die neutrale Linie. Die Werte des früheren Cognitrend Bull/Bear-Index sind auf die neue Skalierung umgerechnet worden.


Über den Börse Frankfurt Sentiment-Index

Der Börse Frankfurt Sentiment-Index bewegt sich zwischen -100 (totaler Pessimismus) und +100 (totaler Optimismus), der Übergang von positive in negative Werte markiert die neutrale Linie.

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